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Aspergillose

Ein Bericht von Dr. Thomas Grammel, www.dr-grammel.de

Bei der Aspergillose handelt es sich um eine vorwiegend den Atmungstrakt betreffende Systemmykose, hervorgerufen durch Aspergillus fumigatus. Diese häufig bei Papageien aus den Tropen (v.a. Graupapageien, Amazonen) und auch beim Beo auftretende Erkrankung zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten und Todesursachen bei diesen Tierarten. Dagegen spielt sie bei Vögeln aus trockenen Regionen, z.B. Australien (Kakadus, Wellensittich, Nymphensittich) eine eher untergeordnete Rolle.

Ursachen

Hauptursache für die Entstehung der Aspergillose ist eine nicht artgerechte Haltung. Wenn man bedenkt, dass die relative Luftfeuchtigkeit in den Herkunftsländern von Graupapagei und Amazone weit über 80% beträgt und in unseren Regionen dagegen oft nur bei 30% liegt, wird deutlich, dass es hierzulande schwierig ist, ein geeignetes Raumklima unserem Gefiederten Freund bieten zu können. Die Folge dieser verminderten Luftfeuchtigkeit ist ein Eintrocknen der Luftwege und der Luftsäcke. Dies wiederum begünstigt die Anheftung insbesondere von Pilzsporen.
Hinzu kommt die oftmals falsche Ernährung. So bringt man Papageien mit Erdnüssen genau so häufig in Verbindung, wie Hunde mit Knochen und Katzen mit Milch. Aber alle drei Beispiele sind keine adäquate Ernährung für die Tiere. Ein Papagei würde sich in der freien Natur niemals nur von Erdnüssen ernähren. Sie sind nicht nur sehr fetthaltig, sondern meist sehr stark mit Pilzsporen belastet und stellen somit die größte Ansteckungsquelle dar.
Weiterhin führt eine unausgeglichene Vitaminversorgung, besonders ein Vitamin A-Mangel, zu Schäden in der Auskleidung des Atmungstraktes. Dies begünstigt die Ansiedlung und Vermehrung der Pilze.
Auch Stress, z.B. zu hohe Besatzdichte, Unverträglichkeiten zwischen den einzelnen Tieren, Besitzerwechsel oder Wetterumstellungen wirken sich über eine Verminderung der Widerstandskraft auch positiv auf die Entstehung einer Aspergillose aus.

Anmerkung von Frank Bauer

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine zu sehr körnerbezogene Fütterungsweise mit geringem Obstanteil eine Aspergilloseinfektion unterstützt.  Vitamine braucht auch der gesunde Vogel (besonders Vitamin A) !

Auch die vorhandenen Räumlichkeiten sind zu beachten. So findet man in feuchten Räumen mit Schimmelpilzbesatz an den Wänden einen zusätzlichen Nährboden für Infektionen aller Art. Vor allem weil in der Raumluft die Sporen in hoher Konzentration vorhanden sind, ergibt dies aus meiner Sicht ein wesentlich höheres Ansteckungsrisiko als durch den bloßen Verzehr von Erdnüssen.

Das Atemwegssystem von Vögeln ist auf das Fliegen ausgerichtet, eine optimale Belüftung und Versorgung des Atmungstraktes mit frischer Luft ist nur bei viel fliegenden Vögeln gewährleistet. Geringe Bewegung ist nicht nur für den Menschen ungesund. Für Vögel stellt ein Leben in einem kleinen Käfig ohne regelmäßigen Freiflug nicht nur einen großen Verlust an Lebensqualität, sondern auch ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Besonders bei Papageien mit gestutzten Schwungfedern ist ein erhöhter Aspergilloseanteil feststellbar.

Aus diesem Grund ist das Flügelstutzen generell zu unterlassen, wir laufen ja auch nicht gern mit einer Eisenkugel am Fuß durch die Gegend. Dazu ist eine regelmäßige Raumbelüftung ohne Durchzug ein unbedingtes Muß !

Klinik

Der Verlauf der Aspergillose kann akut (selten) oder chronisch (in den meisten Fällen) sein.
Die akute Form entwickelt sich im Anschluß an eine massenhafte Aufnahme kontaminierter Substanzen in Verbindung mit einer gestörten Abwehr, z.B. bei sehr jungen oder alten Tieren. Es kommt zu plötzlichen Todesfällen ohne Ausbildung deutlicher klinischer Symptome.
Die chronische Form ist dagegen durch einen schleichenden Verlauf gekennzeichnet. Die Erkrankung kann über einen langen Zeitraum bestehen ohne spezifische klinische Symptome zu zeigen. Leitsymptome sind chronische Schwäche und Abmagerung, gesträubtes und glanzloses Gefieder, Apathie. Durch gebildete Mykotoxine kann es zu zentralnervösen Störungen kommen. Nach Resorption im Darm können Durchfall, Fressunlust, Würgen oder Erbrechen auftreten.
Probleme der Atemwege treten oft erst bei fortgeschrittener Erkrankung auf. Die Tiere werden dann mit Atemnot, erhöhter Atemfrequenz und Atemtiefe, Backenblasen, atemsynchronem Schwanzwippen und Atemgeräuschen dem Tierarzt vorgestellt. Außerdem können sie bei Beteiligung des Stimmkopfes ihre Stimme verlieren. In hochgradigen Fällen kommt es zu akuter Atemnot und letztendlich zum Erstickungstod.

Häufige klinische Zeichen:

  • · Teilnahmslosigkeit
  • · Atemnot/-geräusche
  • · Nasenöffnungen verstopft
  • · Krampfanfälle
  • · Durchfall, Würgen
  • · Abmagerung

Diagnose

Anhaltspunkte geben der Vorbericht sowie die klinische Untersuchung. Durch Entnahme von Tupferproben aus dem Rachen, dem Kropf oder den Nasenlöchern kann eine Erregeranzüchtung versucht werden.
Große Bedeutung besitzt die Anfertigung einer Röntgenaufnahme. Hier können besonders chronische Veränderungen festgestellt werden.

Behandlung

Eine vollständige Heilung der Tiere ist in den meisten Fällen nicht möglich. Es wird vielmehr versucht, die Belastung der Tiere zu vermindern. Die Bereitschaft des Besitzers ist hierbei von großer Wichtigkeit.
Ein erster Schritt sollte die Nahrungsumstellung darstellen. Kein Futter mit Erdnüssen verwenden! Es hilft auch nichts, wenn die Erdnüsse aus dem Futter herausgesammelt werden, da sich die Sporen auf deren Oberfläche befinden und somit das gesamte Futter kontaminiert wird. Auf eine ausreichende Vitaminversorgung sollte geachtet werden! Stress sollte von den Tieren weitestgehend ferngehalten werden!
Zur Herabsetzung der Pilzbelastung im Körper gibt es verschiedene Medikamente, die auf unterschiedliche Weise verabreicht werden. Welche es sind, erfahren sie von ihrem Tierarzt.

24.12.2012: Anmerkung von Frank Bauer

Laut meinem Tierarzt Dr. Niels Mensing ist Aspergillose ein weit verbreitetes Phänomen unter den Ziervögeln. Rund 80% aller Papageienarten in Gefangenschaft sind von den Pilzen befallen; was vor allem an kontaminierenden Pilzsporen in geschlossenen Innenvolieren und Räumen liegt.

Die Haltung in gut gelüfteten Innenvolieren mit täglichem Freiflug in Außenvolieeren bei jedem Wetter (wenn die Vögel es wollen) ist für alle Ziervögel die beste Haltungsmethode.

Anbei sehen Sie auf zwei Röntgenbildern meiner Papageien leichte Aspergillosegranulome bei einem Graupapagei sowie ein größeres Granulom bei einem Hellroten Ara. Vielen Dank nochmal an Dr. Niels Mensing, Akazienstraße 3-4, 39126 Magdeburg für die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf meiner Homepage.

ACHTUNG WICHTIG !!!
Vorsicht bei der Verabreichung von Antibiotika bei Ziervögeln mit bereits diagnostizierter Aspergillose !! Immer zusätzlich ein pilzhemmendes Medikament verabreichen, da Antibiotika (wird aus Pilzkulturen hergestellt) allein für ein ungehemmtes Wachstum der sich bereits im Körper befindlichen Aspergillosepilze sorgt. Die Folge ist meist der Tod des Vogels bereits nach wenigen Tagen.

Emil , seitliche Aufnahme vom 23.12.2012

Großer Kreis: Großes Granulom vor dem Bronchialeingang, welches beim Hellroten Ara (Emil) zu Atmungsproblemen geführt hat.
Kleine Kreise: Leichte Aspergillosespuren.

Behandlung: 1x tägl. 0,9ml Itrafungol oral mit der Spritze über 14 Tage verabreicht. Dazu rund um die Uhr Wärmebestrahlung mit Infrarotlicht, Unterbringung im Krankenkäfig.
Ergebnis: Leichte Besserung bereits nach zwei Tagen. Emil geht es besser; er genießt die Wärme der Infrarotlampe sehr.

Paula Draufsicht 16.11.2012 (2)

Großer und kleine Kreise: Aspergillosespuren (dunkle Punkte) bei einem Graupapagei (Paula). Neben Atmungsgeräuschen kein aktutes Krankheitsbild, Gesamtkondition des Vogels ist gut. Ich werde dies beobachten und ihr nach der Brutzeit ein geeignetes Medikament verabreichen.

                                        © Dezember 2012 by Frank Bauer

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