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PDD: Neuropathische Drüsenmagendilatation

ein Bericht von Dr. Gerd Britsch und Dr. Marcellus Bürkle (www.ziervogel-exotenpraxis.de/)

Bei der so genannten PDD oder neuropathischen Drüsenmagendilatation der Papageien handelt es sich um eine Erkrankung weitgehend unbekannter Ursache, die bei verschiedenen Papageienspezies auftreten kann.
Namensgebend ist die im Verlauf der Krankheit meist festzustellende Dilatation, also eine Erweiterung des Drüsenmagens, die mit zunehmend schlechterer Verwertbarkeit der aufgenommenen Nahrung und somit zu stetig sich verschlechterndem Allgemeinbefinden des erkrankten Vogels führt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist ein Virus an der Entstehung der Krankheit beteiligt.
Hinweise dafür gibt das wiederholte Auffinden von Virusmaterial bzw. von Viruspartikeln, insbesondere eines aviären Paramyxovirus 1 ( PMV 1).

Darüber hinaus konnten in experimentell mit PMV infizierten Neophema spp. identische Veränderungen gefunden werden, wie sie auch vorkommen bei Vögeln, die an PDD erkrankt sind.

Welche Papageien sind gefährdet?

Generell können alle Papageienspezies betroffen sein, allerdings scheinen einige Arten wie Aras, Kakadus, Amazonen und Graupapageien besonders anfällig für diese Krankheit zu sein.

Auch bei Sittichen ist die PDD in seltenen Fällen aufgetreten. Bei Loris ist die Erkrankung derzeit nicht bekannt.
Sogar bei Nicht-Psittaziden wie Kanada-Gänsen und Flamingos wurde von Krankheitsfällen berichtet.

Bezüglich der Altersverteilung scheinen insbesondere junge Adulttiere zwischen dem 3. bis 4. Lebensjahr überdurchschnittlich häufig betroffen zu sein, wobei aber selbst nestjunge und auch alte Tiere erkranken können.

Nachzuchttiere und Importvögel sind unter den erkrankten Tieren gleichermaßen vertreten, dasselbe gilt für die Geschlechterverteilung.
Generell scheint die Krankheit nicht besonders ansteckend zu sein, denn es kommt vor, dass bei einem festen Paar ein Partner erkrankt ist, wohingegen der andere Partner sich über Jahre hinweg nicht ansteckt. Die Gefahr einer Ansteckung ist aber selbstverständlich gegeben und sollte auch nicht unterschätzt werden.

Symptomatik und Krankheitsverlauf

Über die genaue Inkubationszeit existieren keine gesicherten Erkenntnisse, bekannt ist allerdings die Tatsache, dass sie von sehr langer Dauer sein und Monate bis Jahre betragen kann.
Die Anzahl klinisch erkrankter Tiere innerhalb eines Papageienbestandes ist ebenso wie die klinische Manifestation und die Gefahr einer Ansteckung innerhalb der Gruppe sehr variabel.

Als häufigste und typische Symptome treten bei Tieren, die in der Tierarztpraxis vorgestellt werden, zunehmende Apathie und Abmagerung, unverdaute Körner im Kot, Kropfstasis, Erbrechen, Durchfall und Polyurie auf.

ZNS-Symptome wie Ataxien, Zittern, Kopfschütteln, epileptoide Anfälle, Lahmheiten oder Lähmungen können ganz fehlen, zum Teil aber auch die einzigen Anzeichen für die Erkrankung sein. In letzter Zeit scheint die ZNS-Symptomatik gegenüber der gastro-intestinalen Symptomatik zunehmend an Bedeutung zu gewinnen und immer häufiger aufzutreten.

Alle genannten Symptome können sich langsam und allmählich entwickeln und verschlimmern, aber auch ganz plötzlich und heftig in Erscheinung treten.

Bei klinisch kranken Tieren, bei denen kein Behandlungsversuch unternommen wird, endet die Krankheit nach einigen Wochen tödlich.

Die klinischen Manifestationen resultieren aus einer Entzündung der Nerven des Gastro-Intestinal-Trakts, des Gehirns, der Spinalganglien und der peripheren Nerven. Bedingt durch diese Nervenschädigung werden entsprechende Organe in ihrer Funktion z.T. erheblich beeinträchtigt. Beispielsweise können Körner im geschädigten Drüsenmagen nicht mehr aufgeschlossen und verwertet werden, so dass diese unverdaut wieder ausgeschieden werden und der Vogel aufgrund des Energiemangels zunehmend an Gewicht verliert.

Das Ausmaß der Nervenschädigung kann deutlich variieren, dementsprechend unterschiedlich fallen die klinischen Symptome aus. Besonders typisch ist dabei der angeschoppte, hochgradig dilatierte und hauchdünne Drüsenmagen. Aber auch andere Abschnitte des Verdauungstrakts können in Mitleidenschaft gezogen sein, so dass auch Kropf, Muskelmagen oder Darm dilatiert und gestaut sein können.

Zu bedenken ist im Zusammenhang mit der Symptomatik die Tatsache, dass für derartige Erscheinungen auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen als " nur" die PDD in Frage kommen. Die aufgezählten Krankheitsanzeichen sind also keineswegs immer eindeutig der neuropathischen Drüsenmagendilatation zuzuordnen, differentialdiagnostisch sollte aber eine PDD immer Beachtung finden und abgeklärt werden.

Im folgenden Abschnitt " Diagnose und Differentialdiagnosen" wird auf diese Problematik noch genauer eingegangen.

Diagnose und Differentialdiagnosen

Eine Kombination verschiedener Untersuchungen unter Abklärung der differentialdiagnostisch in Frage kommenden Erkrankungen ist für eine sichere Diagnosestellung notwendig. Ein einzelnes Verfahren allein ist nicht aussagekräftig genug und kann allenfalls Hinweise geben oder einen Verdacht erhärten.

Diagnostisch an erster Stelle steht bei einem PDD- verdächtigen Vogel das Röntgen, das dem Tierarzt einen guten Überblick über Aussehen, Größe und Lage der inneren Organe gewährt. Auf dem Röntgenbild können bei einem erkrankten Vogel im günstigsten Fall der stark dilatierte und infolgedessen nach links verlagerte Drüsenmagen, der den Muskelmagen in die rechte Seite des Abdomens verdrängt, sowie eventuell ebenfalls erweiterte und aufgegaste Darmschlingen aufgefunden werden.

Eine Blutuntersuchung kann in Bezug auf eine röntgenologisch gestellte Verdachtsdiagnose weitere Hinweise liefern. Abgeklärt werden soll dabei, ob sich im Blutserum des Tieres Antikörper gegen das PMV-Virus befinden, das man ja häufig aus erkrankten Vögeln isoliert hat. In diesem Zusammenhang können auch falsch-negative Ergebnisse auftreten, so dass nur das positive Ergebnis als wirklich aussagekräftig zu bewerten ist.

Das derzeit sicherste diagnostische Verfahren, um eine PDD definitiv zu diagnostizieren, ist die Entnahme einer Kropfbiopsie unter Narkose. Diese sollte im cranialen Bereich des Kropfes entnommen werden und ein möglichst großes Blutgefäß enthalten. Das Auffinden charakteristischer Läsionen in der Kropfschleimhaut ist das derzeit sicherste Diagnostikum.

Allerdings ist auch in diesem Fall wiederum nur das positive Ergebnis aussagekräftig, da derartige Veränderungen im Kropf auch fehlen können, obwohl eine PDD vorliegt.

Wie bereits im vorherigen Abschnitt angesprochen wurde, kommen neben der PDD für das Auftreten der genannten Symptome auch diverse andere Krankheiten in Frage, die differentialdiagnostisch abgeklärt werden müssen.

Bakteriologische, mykologische oder viral bedingte Infektionen des Verdauungstraktes, auch der Befall mit verschiedenen Parasiten können zu Apathie, Erbrechen, Kropfstasis, Durchfall und Kachexie führen und sich röntgenologisch ebenfalls ähnlich den Befunden einer PDD darstellen. In solchen Fällen sollte zur Abklärung eine bakteriologisch-mykologische Untersuchung bzw. eine parasitologische Untersuchung durchgeführt werden.

Fremdkörper im Verdauungstrakt, hohe Parasitenbürde oder Neoplasien können zu Darmobstruktionen und infolgedessen zu zunehmender Kachexie und Apathie des betroffenen Tieres führen.

Im Rahmen einer Schwermetallvergiftung kann die Motorik im Verdauungstrakt zum Erliegen kommen, es können ZNS-Symptome und Erbrechen auftreten. Bei einem solchen Verdacht sollte eine gezielte Blutuntersuchung eingeleitet werden.

Tumoren der inneren Organe können zu zunehmendem Gewichtsverlust führen und beispielsweise Drüsen-und/ oder Muskelmagen von ihrer physiologischen Lage innerhalb der Bauchhöhle verdrängen, was röntgenologisch mit einem durch PDD erweiterten und verlagerten Magen verwechselt werden kann.

Für ZNS-Symptome kommen ebenfalls verschiedenste Ursachen in Betracht. Sie können infektiöser ( durch Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) oder nicht-infektiöser Natur sein (durch Tumoren, Trauma, Schwermetallvergiftung, alimentäre Defizite, Missbildungen).

Anhand dieser Auflistung in Frage kommender Differentialdiagnosen zeigt sich wieder einmal, wie wichtig eine ordentlich durchgeführte Diagnostik ist!

Behandlungsansätze

Die PDD kann nicht geheilt werden.

Es ist aber möglich, die Symptome eines erkrankten Vogels zu lindern oder sogar zu beseitigen. Nach Möglichkeit sollte ein symptomatisch krankes Tier von asymptomatischen Tieren getrennt werden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Zur Linderung der Symptome wird Celecoxib, ein COX-2-Hemmer der die Bildung von Entzündungsmediatoren hemmt, eingesetzt. Dieses Medikament wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd, die Erfolge sind jedoch unterschiedlich.

Manche Tiere sprechen hervorragend auf das Medikament an, wobei es schon gelungen ist, Tieren mit extrem schlechtem Allgemeinzustand zu einem beschwerde-und symptomfreien Leben zu verhelfen.

Die Behandlung umfasst auch eine Futterumstellung von Körnerfutter auf leicht verdauliches und somit vom Organismus besser zu verwertendes Pellettfutter von bester Qualität. Dazu sollte Obst, Gemüse und Grünfutter gereicht werden.

Streß ist in jedem Fall zu vermeiden, da jeglicher Streß das Immunsystem zusätzlich schwächt und Symptome sich verschlimmern bzw .andere Infektionskrankheiten leichter Fuß fassen könnten.

Vorsichtsmaßnahmen

In einen existierenden Papageienbestand sollten neue Vögel nur integriert werden, wenn diese zuvor negativ anhand einer Blutprobe auf PMV getestet wurden und die Quarantäne durchlaufen haben. Im Optimalfall führt man parallel zur serologischen Untersuchung die diagnostisch sichere Kropfbiopsie durch.

In einer bestehenden Kollektion sollten PMV-positive Tiere von PMV-negativen Tieren getrennt werden, bzw. man sollte sich von den Virusträgern trennen, um eine Ansteckung der gesunden Tiere zu verhindern.

Möchte man mit PMV-positiven Elterntieren züchten, so sollten die Eier zur Sicherheit im Inkubator ausgebrütet und die Jungen anschließend der Handaufzucht zugeführt werden, wobei allgemeine Hygienemaßnahmen selbstverständlich von oberster Priorität sind.

Das Risiko einer Eiübertragung ist dennoch vorhanden, so dass handaufgezogene Jungvögel auch auf jeden Fall getestet werden sollten.

Schlussbemerkung

Die Theorie, dass ein Paramyxovirus an der Entstehung der neuropathischen Drüsenmagendilatation beteiligt ist, ist nach wie vor in Fachkreisen umstritten.

Die persönliche Einschätzung der Autoren stützt sich auf deren Erfahrungen mit Papageienbeständen, in denen eine PDD-Problematik herrscht und in denen die Autoren das Paramyxovirus regelmäßig nachweisen konnten. Diese Erfahrungen stützen die Virustheorie.

Literaturangabe

Harrison, G.; Lightfoot, T.: Clinical Avian Medicine, Spix-Publishing 2006.
Gerlach, H. (2006): persönliche Mitteilungen.
Bürkle, M. und Britsch, G. (2006): unveröffentlichte Daten.

 

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